Wie sie wurden, was sie sind: Handtaschen
Wir kennen sie, wir brauchen und lieben sie. Wir haben sie zu unterschiedlichsten Anlässen, variierend in Form und Farben: unsere Handtaschen. Längst sind sie für uns nicht mehr nur Accessoire, sondern häufig fester Bestandteil unseres Outfits und Auftretens. Die Geschichte ist über Jahrhunderte alt und ebenso wandlungsfähig wie die Handtasche
selbst.
Im Mittelalter (6. Bis 15. Jahrhundert) wurden sie zunächst ausschließlich von Männern
getragen, am Gürtel befestigt und waren meist aus Stoff oder Leder. Erst anschließend, ab dem 15. und 16. Jahrhundert, kam der Trend unter Frauen auf, häufig trugen sie Taschen, die an Ketten oder Riemen vom Gürtel herabhingen.
Im 16. und 17. Jahrhundert veränderte sich die Form ein wenig: beutelförmige Taschen kamen auf, setzten sich allerdings nicht gänzlich durch. Verbreiteter waren ein oder zwei unter dem weiten Rock versteckte Taschen, die durch einen Spalt im Kleidungsstück zu erreichen waren.
19. Jahrhundert: Hier beginnt die eigentliche Entwicklung, die Emanzipation der Handtasche. Wurden sie vorher nur versteckt oder mit der Kleidung in Verbindung getragen, entwickeln sie von nun ein ihre Eigenständigkeit. Ob das dem Zustand zu verdanken ist, dass seither alle Kleidungsstücke von Frauen grundsätzlich enger wurden und auf natürliche Weise mehr nach außen verlagert werden musste, lässt sich bezweifeln. Fest steht, keine Frau die etwas auf sich hielt, ging von nun an ohne Handtasche aus dem Haus.
1846 wurde der Metallrahmen erfunden, die Beutelform ging also vorerst stark zurück. Umso belastbarer wurden sie. Eine stabile Tasche mit viel Stauraum kam auf den Markt und fand sehr schnell Abnehmerinnen.
Nun konnte endlich mit der berühmten Puderdose, dem Lippenstift und einem Kamm aus dem Haus gegangen werdem. Nichts musste auf längeren Strecken vermisst werden.
Ein Trend findet sich selbst. Im 19. Jahrhundert waren sie anfangs fast ausschließlich noch aus Leder gefertigt, was sich mit den Schwankungen der wirtschaftlichen Lage jedoch nicht konsequent vereinbaren ließ: Je schlechter die Zeiten, umso preisgünstiger das Material. Dennoch wurde von Anfang an das Modebewusstsein gestärkt und auch bei Handtaschen stets verfolgt. Dass sich der Trend derart verselbständigt, konnte niemand ahnen.
Sämtliche modische Einflüsse lassen sich rückblickend auch in Handtaschen erkennen. Ob nun Art Deco oder 70ies: Treu und stilsicher passte sie sich unseren Vorgaben an und begleitet die Damenwelt schon nun über 200 Jahre. Wen mag es da verwundern, dass sich seit den 70er und 80er Jahren auch bei Männern wieder rumgesprochen hat, wie praktisch und schick sie eigentlich sind und die Herrenhandtasche allmählich wieder mehr an Bedeutung gewinnt. Für uns bleiben sie, was sie stest waren: Das schönste Accessoire der Welt.


Stanislaw Tarnopolsky





